Auswandern nach Frankreich: Wunschtraum oder realisierbar? Nur etwa 1.8 % der Menschen die dauerhaft in Frankreich leben, sind deutscher Abstammung. Welche entscheidenden Fragen sollte man sich stellen bevor der Schritt gewagt wird? Welche Details habe ich bei meinem Auswanderungsplan übersehen? Wie ist Frankreich im Alltag? Hier sind 10 wichtige Fragen, die in diesem Artikel beantwortet werden.

Alle Fragen auf einen Blick:

#1 Frankreich Traumland oder nicht?

# 2  Kulturelle Unterschiede?

# 3  Komme ich mit der französischen „Gelassenheit“ zurecht?

# 4  Habe ich den richtigen Charakter um mich durchzuschlagen?

# 5  Habe ich mich genügend vorbereitet?

# 6  Reichen meine Französischkenntnisse?

# 7  Habe ich bereits Kontakte in Frankreich, die mir helfen können?

# 8  Kann ich leicht einen Job bekommen?

# 9 Wie teuer ist das Leben in Frankreich?

# 10 Wie funktioniert es mit der Integration?

 

# 1  Frankreich Traumland oder nicht?

Paris BrückeEigentlich die alles entscheidende Frage, oder ? Doch so einfach ist das natürlich nicht zu beantworten. Frankreich hat viele schöne Seiten, die erst so richtig entdeckt werden können, wenn man zu den Einheimischen zählt. Wer nach Frankreich auswandern möchte fühlt sich natürlich als allererstes von den Urlaubs-Eindrücken angezogen. Einige Punkte, die das Land so besonders machen, wurden bereits im Artikel Traumland Frankreich – der Reality Check  hervorgehoben. Doch wie ist es in der Alltagsrealität?

Neben den schönen Seiten ist Frankeich auch ein Land der krassen Gegensätze, welche man schnell zu spüren bekommt. Die wirtschaftliche und soziale Situation spielt dabei eine maßgebende Rolle. Auch wenn die Privatwirtschaft aktuell einen kleinen Boom erlebt, gibt es in der französischen Gesellschaft nach wie vor einen großen Unterschied zwischen „Arm und Reich“. Wer nicht gerade die Mittel hat, um im 7ten Arrondissement von Paris zu wohnen, wird dies vor allem in den Vorstädten der großen Metropolen schnell erkennen.

# 2  Kulturelle Unterschiede?

Ein sehr wichtiger Punkt, welcher keinesfalls unterschätzt werden sollte beim Plan vom Auswandern nach Frankreich. Ja, das Leben in Frankreich ähnelt dem Leben in Deutschland, aber nur oberflächlich. Wer die sichtbare Fläche des Eisbergs verlässt und anfängt, sich für die unterhalb des Wasserspiegels auftretenden kulturellen Eigenschaften zu interessieren, wird das Ausmaß der Unterschiede feststellen.

iceberg

Die französische Gesellschaft hat fest verankerte Einstellungen und kulturelle Ansichtsweisen, welche anfangs nicht unbedingt ersichtlich sind. So zum Beispiel bei der Kommunikation: Die Dinge werden häufig nicht klar ausgesprochen, sondern kontextbezogen und indirekt übermittelt. Was sich sehr abstrakt anhört, kann auch in der Realität ein Problem darstellen, für Menschen, die mit dieser „um den Brei herumredenden Art“ nicht einfach zurechtkommen werden. Geduld und Anpassungsfähigkeit ist hier klar gefragt. Dies ist nur ein Beispiel, welches jedoch wichtige Auswirkungen auf das Alltags- und Jobleben haben kann. Im Artikel „Arbeiten in Frankreich“ werden andere interessante Erfahrungswerte aufgezeigt.

# 3  Komme ich mit der französischen „Gelassenheit“ zurecht?

Die Frage könnte lächerlich klingen, ist sie aber nicht. Auch wenn vieFrankreich Geduldle meinen, die französische Gelassenheit ist genau das was sie mögen, kann sich dies im Alltag schnell in eine andere Richtung drehen. Auch könnte man in manchen Situationen eher von Ignoranz und nicht von Gelassenheit sprechen (klingt etwas hart, nur leider manchmal wahr). Wer von Natur aus ein Perfektionist und ungeduldig ist, sollte sich einmal mehr überlegen, ob Frankreich das richtige Land zum auswandern ist.

In der Tat könnte man meinen, dass Franzosen bei allem etwas gelassener funktionieren, nur kann dies in manchen Lebenssituationen auch auf die Palme bringen. Effizienz ist nicht unbedingt das Lieblingswort in Frankreich, so hat man das Gefühl, ohne verallgemeinern zu wollen. Studien zeigen übrigens, dass Franzosen in Wirklichkeit gar nicht so sehr „relaxed“ sind und das Leben seltener in vollen Zügen genießen, als die Menschen in manchen Nachbarländern (z.B. Deutschland!). Bekannte Klischees können damit einmal mehr in Frage gestellt werden.

# 4  Habe ich den richtigen Charakter um mich durchzuschlagen?

Eine weitere wichtige Frage die sich vor dem Auswandern gestellt werden muss. Studien beweisen, dass Frankreich kulturell bedingt eine sehr individualistisch geprägte Gesellschaft ist. Man könnte auch „Ellenbogen-Gesellschaft“ sagen. Wer schon einmal eine Wohnung in den großen Städten gesucht hat, oder sich auf einen Job beworben hat, wird dies bestätigen. Nach einer Gruppen-Besichtigung einer 1-Zimmer-Wohnung befand ich mich auf einer Warteliste mit ca. 25 anderen Bewerbern. Am Ende gewinnt derjenige mit dem höchsten Einkommen, mit den besten Bürgen (ja, Plural!) und Single sollte man möglichst auch nicht sein (ja, zwei verdienende Vertragsunterzeichner sind besser als einer 😉 ).

Auch die französische Sprache macht die Integration nicht immer einfacher und der manchmal etwas suspekte Blick auf einen deutschen Einwanderer mit Akzent kann destabilisierend sein. Generell kann man sich mit vielen Dingen mit der Zeit arrangieren. Doch jeder sollte sich anfangs im Klaren darüber sein, dass das Auswandern nach Frankreich einige grundlegende Änderungen mit sich bringt. Wer den Mut hat, wird es mit Sicherheit nicht bereuen.

# 5  Habe ich mich genügend vorbereitet?

Wer nach Frankreich auswandern möchte, sollte sich natürlich vorher genug Zeit nehmen, um ernsthaft über den Schritt nachzudenken. Es gibt heute zahlreiche Plattformen im Internet, die allgemeine Informationen über das Auswandern nach Frankreich bereitstellen, wie zum Beispiel das BVA. (Informationen über Einreise, Aufenthalt und Meldewesen, Arbeit, Steuern, Gesundheit, Wohnen, uvm.).

Auch die deutschen Auslandsvertretungen stellen einige nützliche Informationen bereit: https://allemagneenfrance.diplo.de/fr-de/-/1355230

Wer eine persönliche Auskunft erhalten möchte, kann mir auch gerne eine E-Mail an contact@lebeninfrankreich.info schicken.

# 6  Reichen meine Französischkenntnisse?

Französische FlaggeSprache und Kommunikationsfähigkeit sind nach wie vor eines der grundlegenden Erfolgsfaktoren beim Auswandern nach Frankreich. Eine geglückte Integration hängt maßgeblich davon ab, wie schnell man die französische Sprache beherrscht. Auch wenn Frankreich sich immer mehr öffnet und sich mehr Menschen für die englische Sprache interessieren, haben vor allem ältere Generationen immer noch verhaltene Fremdsprachen-Kenntnisse. Fazit: Französisch ist ein Muss.

Die schnellsten Fortschritte macht man bekanntlich wenn man vor Ort lebt, der Erfolg hängt dabei hauptsächlich von der eigenen Motivation und dem Durchhaltevermögen ab. Ich erinnere mich an meine ersten Einladungen bei Bekannten, wo ich etwas hilflos versuchte an Diskussionen teilzunehmen, was jedoch bei meinen damaligen Französischkenntnissen schnell frustrierend wurde. Hier geht’s zum Artikel „Frankreich und Französisch, die altbekannte Hassliebe…“

# 7  Habe ich bereits Kontakte in Frankreich, die mir helfen können?

Ein großer Vorteil ist es, bereits Freunde oder Familie in Frankreich zu haben. Dies macht den ganzen Auswanderungs-Prozess um einiges leichter. Einmal, weil man in dem Fall bereits soziale Kontakte vor Ort hat und man dadurch gleichzeitig auf wertvolle Erfahrungswerte zurückgreifen kann. Auch bei der Jobsuche kann es natürlich von Vorteil sein schon ein lokales Netzwerk zu haben. Und warum nicht den alten Austauschpartner der Schulzeit anschreiben 😉 .

# 8  Kann ich leicht einen Job bekommen?

Arbeit FrankreichAuch hier hängt vieles vom Sprachvermögen ab und der Tatsache, dass viele Unternehmen eine fließende Kommunikation auf Französisch voraussetzen. Englisch ist nur bei sehr großen und international Gruppen die Sprache n°1. Oder man fokussiert die Jobsuche auf internationale Stellenangebote, hier werden Leute mit Englisch- und Deutschkenntnissen händeringend gesucht.

Vor allem die Jobwahl bestimmt, ob die Chancen eher gut stehen oder nicht. Einfachere Arbeitsstellen, wo weniger Qualifikationen verlangt werden, stehen vor allem in den großen Städten fast jedem offen. So habe ich bei meinem letzten Supermarktbesuch bei „Franprix“ eine Lautsprecheransage auf Deutsch gehört, wo dazu aufgerufen wurde sich zu bewerben. Eine tolle Aktion! 🙂 Aber man sollte auch realistisch bleiben und sich im Klaren darüber sein, dass es Arbeit hauptsächlich in den Großstädten gibt und nicht am Meer an einem Urlaubsort wie Lacanau ;-).

Die wirtschaftliche Lage entwickelt sich übrigens aktuell positiv, auch wenn der Optimismus in der französischen Gesellschaft noch etwas zurückhaltend ist. Zu diesem Thema hier ein interessanter Spiegel-Artikel.

# 9 Wie teuer ist das Leben in Frankreich?

Geld Frankreich

Eine Frage, welche nicht immer ernsthaft beachtet wird, doch wie auch in anderen europäischen Ländern gibt es bedeutende Unterschiede. Generell sind die Lebenshaltungskosten etwas teurer als in Deutschland und je nach Verdienst geht man wohl nicht so häufig auswärts essen (je nach Ansprüchen 😉 ).

Auch beim Supermarkteinkauf wird man schnell feststellen, dass die Preise nicht dieselben sind und man wundert sich manchmal darüber, warum ein Shampoo einer bekannten französischen Marke in Frankreich erheblich mehr kostet als in Deutschland… Kein Wunder, dass viele grenznahe Franzosen die deutschen Drogerie-Märkte stürmen.

Bei den Energiekosten ist es anders, diese sind in Frankreich generell günstiger und auch die öffentlichen Transporte kosten weniger als in Deutschland. Ein wirklicher Pluspunkt beim Auswandern nach Frankreich. Wer zum Beispiel außerhalb von Paris wohnt, kann mit einem Monatsticket zu einem akzeptablen Preis das komplette Liniennetz nutzen, welches immens ist! Wer weiter „draußen“ wohnt wird nicht mit hohen Preisen bestraft. Kleiner Tipp am Rande: Französische Arbeitgeber sind verpflichtet einen Teil des Jobtickets zu bezahlen – sehr erfreulich!

# 10 Wie funktioniert es mit der Integration?  

Der letzte Punkt ist entscheidend für jeden der nach Frankreich auswandern will. Kann man sich leicht integrieren in die französische Gesellschaft? Eine komplexe Frage, der keine einfache Antwort gegenübergestellt werden kann. Dennoch kann gesagt werden, dass jeder der sich Mühe macht sich zu integrieren, auch eher gute Chancen hat von der lokalen Bevölkerung akzeptiert zu werden.

Integration Frankreich

Aus eigener Erfahrung kann gesagt werden, dass es sehr wertgeschätzt wird, wenn man den ersten Schritt macht und auf die Menschen zugeht. Sprache ist hierbei wieder der Schlüssel, wobei Franzosen großen Respekt haben für „Einwanderer“ die mehrsprachig sind und akzeptable Französisch-Kenntnisse vorweisen können.

Generell sind Franzosen sehr wohlwollend und offen für andere Kulturen, so habe ich das persönlich bisher größtenteils erlebt. Der geschichtliche Hintergrund und die Konflikte der Vergangenheit zwischen Deutschland und Frankreich spielen übrigens immer noch eine nicht zu unterschätzende Rolle, auch im heutigen Zeitalter. Es sollte im Alltag vorsichtig mit dem Thema umgegangen werden, um nicht einen „Fauxpas“ zu begehen.

Trotz der traditionellen Verankerungen kann Frankreich sicher als weltoffenes Land bezeichnet werden. Wer die kulturellen Eigenheiten respektiert und sich vielleicht sogar dafür begeistern kann, wird mit Sicherheit auch hervorragend integriert sein und sich sehr wohl fühlen. 🙂

2 thoughts on “Auswandern nach Frankreich ? 10 wichtige Fragen, die sich jeder vorher stellen sollte!

  1. Habe mit sehr großem Interesse ihre Auswanderungs-tips gelesen, nachdem ich selbst vor 30 Jahren aus Deutschland nach Frankreich ausgewandert bin und es nicht einen Tag bereut habe!
    Die Lebensqualität ist in meinen Augen unvergleichlich höher, aber das hängt natürlich davon ab, worauf es einem im Leben ankommt. Eine gewisse Flexibilität im Akzeptieren anderer Sitten und Gebräuche setzt selbst eine freiwillige Auswanderung immer voraus. Es stimmt, man sollte eine gewisse Basis an Sprachkenntnissen haben (hatte 4 Jahre Abendkurse hinter mir, mehr nicht!), aber wenn man sich für Sprache und Kultur interessiert, geht es dann sehr schnell. Nach einem Jahr sprach ich fließend, lerne aber stetig dazu, auch heute noch.
    Die Unterschiede zwischen den beiden Ländern könnten nach meiner Sicht größer nicht sein für zwei Nachbarländer, aber wenn man den Wunsch hat, Deutschland zu verlassen, ist das ja letztlich, um nicht dasselbe woanders zu finden. Mein hauptsächlicher Einspruch gilt der Bemerkung über die Unterschiede zwischen arm und reich: es gibt nicht nur das 7e Arrondissement oder die armen Vorstädte um eine Unterkunft zu finden, das scheint mir etwas zugespitzt. Frankreich kennt Unterschiede zwischen arm und reich wie alle anderen Industrienationen, ist aber das Land mit den meisten und den großzügigsten Sozialleistungen. Es gibt hier Unterstützung und Hilfe für Situationen, davon kann man in Deutschland nicht mal träumen! So kommen alle weitaus großzügig unterstützt über die Runden. Die Wohnungssuche in Paris ist natürlich ein Kampf, aber durchaus mit der in München zu vergleichen! Eine Sache von Angebot und Nachfrage, aber mit dem französischen „Système D“ (für „débrouillardise“) findet man schließlich immer was man braucht…Und nicht vergessen: Frankreich ist nicht nur seine Hauptstadt. Nach 20 Jahren in Paris lebe ich heute in der Bretagne und kann nur jeden dazu ermutigen, den Schritt nach Frankreich zu wagen wenn er das Land und seine Kultur wirklich schätzt und liebt.

    1. Vielen Dank für die Nachricht! 30 Jahre… wow, das ist eine Zahl 🙂 schön einmal Erfahrungen von einer anderen Auswanderin zu lesen! (da würde mich mehr interessieren) Ich stimme dem zu, dass man es einfach wagen sollte nach Frankreich auszuwandern, wenn man sich zu Land und Leuten hingezogen fühlt. Ich finde man sollte generell mehr wagen im Leben… A bientôt !

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