Neuer Job in Frankreich

Arbeiten in Frankreich: 5 Tipps um sich optimal in den neuen Job einzufinden

Wer den Schritt gewagt hat und nach dem Kampf der Bewerbungsphase das heißersehnte Jobangebot in der Tasche hat, kann schon erstmal etwas Stolz sein. Denn es ist vielleicht der Traum von vielen, doch nur wenige bekommen die Chance einmal in Frankreich arbeiten und leben zu können. Bei all der anfänglichen Euphorie sollte jedoch nicht vergessen werden, dass beim Arbeiten in Frankreich einige Dinge anders ablaufen als in Deutschland.

Wir räumen auf mit träumerischen Klischees und geben 5 hilfreiche TIPPS, um sich optimal in den fremden Arbeitsalltag zu integrieren !

 

Arbeitsgruppe

1. Langsam herantasten während der ersten Arbeitstage

 

Abeiten in Frankreich… Man könnte annehmen, dass alles doch so einfach ist, ob in Frankreich oder anderswo: Man zeigt sich freundlich, aufgeschlossen und zudem hochmotiviert und die Integration in das neue Arbeitsumfeld geschieht wie von selbst. Weit gefehlt! Oftmals werden kulturelle Unterschiede erst so richtig ersichtlich, wenn man diese im Alltag erlebt. Dies gilt besonders auch für das französische Arbeitsleben.

Dabei sollte anfangs unbedingt darauf geachtet werden keine zu hohen Ansprüche zu haben. Eine „übermotivierte“ Haltung kann oftmals eher als störend empfunden werden. Selbst wenn es gut gemeint ist, sollte man lernen sich in manchen Situationen einfach mal zurückzuhalten. Besonders in französischen Unternehmen wird es in den ersten Tagen wichtiger sein sich sozial zu integrieren, also möglichst „locker zu bleiben“ und sich dem „Drumherum“ hinzugeben (wie z.B. den ausgiebigen Vorstellungsrunden), ohne den Fokus anfangs zu sehr auf sachliche Jobaspekte zu legen.

2. Integration im „high-context“ Land Frankreich

 

Der Anthropologe Edwart T. Hall zeigt in seinen Studien den Unterschied zwischen high-context und low-context Kulturen. Nach diesen Erkenntnissen zählt Frankreich zu den high-context Ländern, da dort generell kontextorientiert und mehr kommuniziert wird als zum Beispiel in Deutschland. Dies macht sich natürlich besonders auch beim Arbeiten in Frankreich bemerkbar. Ob bei ausgiebigen Kaffeepausen, bei Besprechungen, oder überall wenn sich die Möglichkeit ergibt: es wird immer gerne ein kurzes „Schwätzchen“ gehalten. Smalltalk-Experten werden sich schnell pudelwohl fühlen, aber auch weniger gesprächige Neulinge sollten sich möglichst schnell daran gewöhnen.

Achtung: Der Kommunikationsstil ist in Frankreich weniger explizit, daher kann es am Anfang durchaus zu Verständnisproblemen kommen.

Wer konzentriert bei der Arbeit bleiben möchte, sollte lieber ein Einzelbüro mit Tür haben. Doch auch dort wird gerne einmal angeklopft und mit der Frage „ça va ?“ die nächste Gesprächsrunde eingeleitet. Dabei kommt es häufig auch mal vor, dass der Zeitplan völlig vergessen wird und am Ende mit aller Not versucht wird wichtige Deadlines einzuhalten. Meistens gelingt das dann auch tatsächlich: The French way eben… 🙂

3. Hierarchien in französischen Unternehmen und veraltete Managementmethoden

 

Was viele vielleicht erstaunen mag: In vielen französischen Firmen gibt es nach wie vor ausgeprägte hierarchische Strukturen. Auch hier gilt die Devise, sich erst einmal umzuschauen und auszutesten, wie man mit dem Vorgesetzten oder Chef umgehen sollte. Leider ist es nicht immer der Fall, dass dabei ein echtes Teamwork-Feeling aufkommt. Ohne in die Falle der Verallgemeinerungen treten zu wollen, gibt es immer noch einige Firmen in Frankreich die einen altmodischen Managementstil anwenden mit Vorgesetzten die Aufgaben delegieren (und dann kontrollieren), ohne eine gemeinsame Zielvereinbarungen zu treffen. Es ist in jedem Fall wichtig, die „richtige Nase“ zu haben und sich auf die jeweiligen Gegebenheiten einstellen zu können, um Enttäuschungen beim Arbeiten in Frankreich vorzubeugen.

4. Arbeits- und Privatleben – lieber nicht so genau auf die Uhr schauen!

 

Arbeiten in Frankreich ein entspannter Traum? Bekanntlich wird in Deutschland täglich eine Stunde mehr gearbeitet als in Frankreich – thoretisch -… In der Realität sieht es dabei oft ganz anders aus. Wer nicht gerade eine Arbeit bei der französischen Eisenbahn „SNCF“ gefunden hat, wird schwer enttäuscht sein. Auch die Vorstellung, dass in Frankreich das Arbeitsleben eine deutlich weniger wichtige Stellung einnimmt, kann als Klischee angesehen werden. Besonders in Paris ist es heutzutage je nach Branche völlig normal,  jeden Tag unbezahlte Überstunden zu machen (je nach Jobposition).

Auch wenn morgens generell etwas später angefangen wird, endet der Arbeitstag häufig erst gegen 20 Uhr (in der Finanzbranche auch häufig erst gegen 22 Uhr). Dabei wird Beruf und Privatleben weniger strikt getrennt als in Deutschland und man geht oft auch nach der Arbeit noch etwas trinken mit den Kollegen. So viel Zeit mit den Arbeitskollegen zu verbringen kann anfangs gewöhnungsbedürftig sein, aber auch eine gute Möglichkeit schnell neue Kontakte zu knüpfen.

5. Bei kulturellen Eigenheiten Toleranz walten lassen

 

Oftmals stellen deutsche Arbeitnehmer in Frankreich erstaunt fest, dass einige Sachen etwas anders gehandhabt werden als im eigenen Land. So sollte es nicht verwundern, wenn zum Beispiel nach langen Besprechungen am Ende alle Beteiligten zufrieden den Raum verlassen, es jedoch an konkreten Arbeitsergebnissen fehlt. Auch können Ideen oder festgelegte Aktionen schnell einmal über den Haufen geworfen werden. Darüber hinaus hat man den Eindruck, dass Dinge gerne etwas aufgeschoben werden.

Eine französische Arbeitskollegin sagte mir einmal, dass es ihr gefällt unter Zeitdruck zu arbeiten, dann wäre wenigsten etwas „Action“ und man hätte das Gefühl wirklich etwas zu tun.

 

Natürlich sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen und zudem spielt die jeweilige Unternehmenskultur immer eine massgebende Rolle. Toleranz, Anpassungsfähigkeit und das richtige „Savoir-vivre“ sind wichtige Elemente, um sich im französischen Arbeitsumfeld zurechtzufinden. Wer est schafft sich mit den kulturellen Eigenheiten zu arrangien und die richtige Arbeit in Frankreich gefunden hat, wird wahrscheinlich so schnell nicht mehr nach Deutschland zurückkehren wollen.

Alles Gute – Bon courage und wir freuen uns auf Fragen oder Anmerkungen !

PS: Hier noch ein hilfreicher Link für alle Arbeitssuchenden im deutsch-französischen Sprachraum:

https://www.connexion-emploi.com/de/

 

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