Wer schon einmal in Frankreich war, dem ist mit Sicherheit aufgefallen, wie kompliziert es manchmal sein kann zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Beim Thema Öffnungszeiten und lokalen Gewohnheiten können die Dinge etwas von dem abweichen, was man Zuhause gewohnt ist. So serviert das Restaurant kein Essen mehr nach 14 Uhr, das Freibad ist Ende August schon geschlossen, und der Laden um die Ecke macht auch schon um 19 Uhr dicht. Manchmal können die Öffnungszeiten einem schon mal einen Strich durch die Rechnung machen in Frankreich. Auf was sollte man achten und wann haben Restaurants, Geschäfte und Bäckereien in der Regel geöffnet? Hier erfahrt ihr alles.

Offen oder nicht offen? Das ist hier die Frage…

Eigentlich wollte ich ja nur eine Runde schwimmen gehen an einem gewöhnlichen Samstag Vormittag. Doch ich ahnte nicht, dass das Ganze zu einer echten Challenge werden würde. Als ich im Internet nach den nächsten Schwimmbädern suche, sieht die Auswahl im näheren Umkreis erst einmal vielversprechend aus. Nur wird mir schließlich klar, dass es bereits Ende August ist und viele Freibäder jetzt schon wieder das Wasser aus den Becken gelassen haben, da der Winter ja kurz vor der Tür steht 😛 (der Thermometer draußen zeigt 35 °C an!). Das muss man natürlich wissen, da bei Google mal wieder nichts aktualisiert wurde, was die Öffnungszeiten angeht. Da kann man schon so einen Moment damit verbringen, die Schwimmbäder abzuklappern, in der Hoffnung, ein gefülltes Becken zu finden.

Wer in Frankreich leben möchte, sollte drei Eigenschaften im Koffer mitbringen: Ausdauer, Flexibilität und Gelassenheit…

– Zitat von einem Frankreich-Auswanderer –

Auf der Suche im Internet stoße ich schlussendlich auf ein größeres Schwimmbad mit einem schönen Innenbecken, sowie Außenbecken und sogar einen kleinen Spa-Bereich gibt es. Das klingt fast zu perfekt. Als ich mir die Öffnungszeiten anschaue, wir die Sache schon etwas komplizierter 😛

Was zum Teufel… Ok, es gibt Unterschiede zwischen Schul- und Ferienzeiten (wie immer in Frankreich), aber wieso sind die Öffnungszeiten der einzelnen Schwimmbecken unterschiedlich? Das Innenbecken ist also an manchen Tagen zwischen 14 Uhr und 16 Uhr 30 geschlossen. Das Außenbecken macht zwischen 13 Uhr und 14 Uhr zu (bien sûr, die heilige Mittagspause des Schwimmmeisters) und nur an Sonntagen wird morgens um 9 Uhr geöffnet, oder um 10h… wer blickt da bitte noch durch?! Dazu muss gesagt werden, dass es scheinbar eine französische Kunst ist, Dinge zu verkomplizieren. Ich blicke jedenfalls oft wehmütig nach Deutschland und stelle fest, dass Gelassenheit nicht Einfachheit bedeutet. Flexibilität ist gefragt und ein Notizbuch, um sich die verrückten Öffnungszeiten zu notieren…

Als ich schließlich am Schwimmbad ankomme und von Weitem das Außenbecken „ohne Wasser“ erblicke, erahne ich böses. An der Tür steht ein Zettel „Geschlossen für 2 Wochen wegen Wartungsarbeiten“. Das stand natürlich nicht auf der Internetseite, aber aufregen tut mich das schon lange nicht mehr, nach 10 Jahren Frankreich…

Heute mal offen? Zuverlässigkeit im Alltag

Es stimmt, dass man niemals verallgemeinern sollte, aber nach mehreren Jahren Frankreich kommen schon so ein paar Erfahrungswerte zusammen. Und wer mit einem Franzosen über das Thema spricht, der wird unzählige Geschichten zu hören bekommen, über das Postamt, das Fitnessstudio, oder eben das Schwimmbad, das heute „ausnahmsweise“ geschlossen war. Auf Französisch „fermeture exceptionnelle“, ein Wort mit dem man sich vertraut machen sollte.

Zuverlässigkeit scheint so eine Sache zu sein in Frankreich. Manche Dinge werden einfach etwas lockerer gehandhabt und Öffnungszeiten „können“ dabei eingehalten werden, aber „müssen“ nicht. Bekanntermaßen ist das Zeitverständnis etwas anders, vor allem je weiter man sich in den Süden begibt. Dieses Thema wurde übrigens vom Anthropologen Edward T. Hall erforscht, wobei er in seinen Studien darauf hinweist, dass es wichtige Unterschiede gibt zwischen ‚low context‘ und ‚high-context‘ Kulturen. Wobei unter anderem auch analysiert wird, inwieweit verschiedene Kulturen mit dem Faktor Zeit umgehen. Das typischste Beispiel ist die Pünktlichkeit, die z.B. in Deutschland wichtiger ist als in Frankreich. Ein Zeitplan wird im Land des savoir-vivre flexibel angesehen, das Pflichtbewusstsein ist ein anderes. Aber die Dinge haben sich auch hier geändert (danke Globalisierung… wobei alles bekanntlich seine Vor- und Nachteile hat).

Essen gehen und Restaurant-Öffnungszeiten

Öffnungszeiten Restaurants

Es ist das wohl bekannteste Beispiel und wird von vielen zitiert, die in Frankreich schon einmal herumgereist sind. Wann sollte man in Frankreich essen gehen und vor allem, wann bekommt man nichts mehr zu essen? Hier gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen in Frankreich (es wäre ja sonst zu einfach), aber generell können ein paar grundlegende Regeln beachtet werden.

Essen gehen in Frankreich

  • Generell mittags: von 12 Uhr bis 14 Uhr (in manchen südlichen Regionen auch bis ca. 15 Uhr)
  • Generell abends: von 19 Uhr bis 22 Uhr (manchmal erst ab 20 Uhr und bis 23 Uhr) > ich wurde letzt um 19 Uhr wieder weggeschickt, weil die Mitarbeiter gerade beim Abendessen waren und daher erst später aufgemacht wurde… 😉
  • Touristen-Hotspots: mittlerweile gibt es Restaurants, die durchgehend servieren
  • Fast-Food Ketten (z.B. McDonald’s): durchgehend geöffnet tagsüber, abends meist bis ca. 23 Uhr (manchmal auch länger)

Französische Supermärkte und Öffnungszeiten

Öffnungszeiten Frankreich Supermärkte

Bei vielen deutschen Urlaubern geht das Herz auf beim Gedanken an französische Supermärkte. Das unglaublich vielfältige Angebot in den sogenannten „Hypermarchés“ und „Centres Commerciaux“ ist wahrscheinlich einmalig auf der Welt, denn wo kann man sonst schon zwischen hunderten Käsesorten auswählen und dazu noch erlesene Weine aus den besten Anbaugebieten Frankreichs bekommen… Auch wenn das alles manchmal etwas dekadent vorkommt, gehört die kulinarische Vielfalt in Frankreichs Supermärkten einfach zum Kulturgut.

Öffnungszeiten wie vor 20 Jahren?

Was die Öffnungszeiten angeht, hat Frankreich sich in den letzten Jahren weniger weiter entwickelt. So machen so gut wie alle Supermärkte abends um 20 Uhr zu (an Freitagen manchmal um 21 Uhr). Aber warum auch länger aufhaben, wer möchte schon um 23 Uhr noch an der Supermarktkasse sitzen, wenn man auf dem Sofa mit der Familie sein könnte. Praktisch ist jedoch, dass auch sonntags morgens viele größere Supermärkte geöffnet sind. Dazu sind in Urlaubsgebieten die Öffnungszeiten meist doch etwas lockerer, wobei oftmals sogar sonntags den ganzen Tag offen ist. Dann gibt es noch die kleinen „Supérette-Märkte“, die oft unabhängig geführt werden, diese haben meist auch 7 Tage die Woche offen und das bis spät in die Nacht.

Wann sind Supermärkte geöffnet?

  • Grosse „Hypermarchés“ (z.B. Intermarché): ab 8 Uhr 30 (oder 9 Uhr) bis 20 Uhr (am Wochende manchmal auch 21 Uhr)
  • Kleinere Supermärkte (z.B. Intermarché Contact): ab 8 Uhr 30 (oder 9 Uhr) bis 19 Uhr 30 (oder 20 Uhr), in manchen kleinen Städten oder Dörfern wird mittags geschlossen (ca. 12 Uhr bis 15 Uhr)
  • Supérette (Tante-Emma-Laden): unterschiedlich, meist von 9 Uhr bis 23 Uhr, oft auch Sonn- und Feiertags
  • Sonntags und Ferientag: oftmals geöffnet von 9 Uhr bis 12 Uhr (oder 13 Uhr), am 26 Dezember ist übrigens kein Feiertag in den meisten Regionen Frankreichs, d.h. die Geschäfte sind schon wieder geöffnet.

Geschäfte & Öffnungszeiten in Frankreich

Bei den Öffnungszeiten der Geschäfte in Frankreich gibt es auch wieder Unterschiede zwischen großen Metropolen und kleineren Städten. Wer in Frankreich Shoppen will, sollte am Besten in größere Städte fahren, da hier die Öffnungszeiten denen in Deutschland ähneln. Im Großen und Ganzen haben die Geschäfte und unabhängigen Boutiquen von ca. 10 Uhr bis abends 19 Uhr oder 20 Uhr geöffnet. In kleineren Städten kann es sein, dass mittags zwischen 12 Uhr und 14 Uhr der Laden geschlossen wird. Es wird empfohlen sich im Voraus zu informieren, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Wann haben Bäckereien in Frankreich offen?

Öffnungszeiten Bäckerei Frankreich

Da für viele Frankreich-Reisende das Highlight ein Besuch in einer französischen Boulangerie ist, wird an dieser Stelle angemerkt, dass Bäckereien in der Regel einen Ruhetag in der Woche haben (an unterschiedlichen Tagen). Auch sind diese meist nicht durchgehend geöffnet, jedenfalls nicht in kleineren Städtchen oder Dörfern. Man sollte sich also darauf einstellen, vor allem, wenn man in eher ländlicher Umgebung unterwegs ist. Natürlich kommt es auch wieder darauf an, wie touristisch die besuchte Gegend ist. In Touristen-Hotspots sind auch die französischen Bäckereien durchgehend und bis später abends geöffnet (vor allem in der Urlaubszeit). Achtung: Manchmal ist die Lieblings-Boulangerie leider sonntags geschlossen, auch wenn das eher selten ist.

Öffnungszeiten von Bäckereien in Frankreich

Die Öffnungszeiten sind leider auch bei den Bäckereien nicht sehr einheitlich. Hier eine Übersicht:

  • Morgens bekommt man sein Baguette meist ab 6 Uhr
  • Oft wird während der Mittagszeit geschlossen (ab 12h30 oder 13h30)
  • Nachmittags ist dann um 15 Uhr oder 16 Uhr wieder geöffnet
  • Es gibt auch Boulangerien die durchgehend offen haben
  • Abends sollte man davon ausgehen, dass um 19 Uhr oder 20 Uhr die Jalousien heruntergelassen werden

Kleiner Ausflug in eine traditionelle französische Boulangerie

Frankreich, das Land der eigenen Regeln

Während in vielen Ländern Europas sich die Dinge immer mehr vereinheitlichen, läuft es in Frankreich manchmal noch etwas anders. Die Öffnungszeiten sind ein gutes Beispiel und zeigen, dass es etwas kompliziert sein kann im Alltag, da es eine Menge individuelle Regelungen gibt. Nein, in Frankreich geht nicht alles so gelassen zu, wie man sich das vorstellt.

Der fehlende „bon sens“ in der Gesellschaft (Gesunder Menschenverstand) wird oft von den Einheimischen selbst beklagt. Dazu trägt auch die hin und wieder etwas verbreitete „Unzuverlässigkeit“ bei (Regeln sind wichtig, aber werden dann eben doch nicht eingehalten). Jeder hat bestimmt schon einmal von der sogennanten „Laisser-faire“ Einstellung gehört („einfach laufen lassen“). Das Gute ist, dass man in Frankreich seltener enttäuscht ist über Dinge die nicht klappen, sondern im Gegenteil, man freut sich, wenn etwas funktioniert wie geplant. Seltene Dinge haben bekanntlich mehr Wert… 🙂


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